Autor Thema: Minireportage  (Gelesen 1028 mal)

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Käpt´n Raffzahn

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Minireportage
« am: Dezember 30, 2013, 12:04:29 Nachmittag »
Die Leute, die beim King-of-the-Weihnachtsbaum dabei waren, wissen, wir hatten einen Gast.
Eine junge Dame musste für ihre berufliche Zukunft eine kleine Übungsreportage schreiben und wir waren ihr Opfer.

Sie Hat zwei Versionen geschrieben und die sollen natürlich nicht vorenthalten werden.

Hier die erste Version
Zitat
Weihnachten 40k

Der Anführer der in roter Rüstung aufgestellten Spacemarines schwingt seinen Meteorhammer, der auf den Lebkuchenmann niederschmettert. Ein letzter Rettungswurf mit dem Würfel hilft ihm da auch nichts mehr. Der Lebkuchenmann ist tot.
„Yes“, freut sich Fabian, denn es ist sein Anführer auf dem Spielfeld, der sich nun ein Stückchen näher ans Ziel bewegen darf. Die blinkende Miniatur eines Christbaumes wirft die Szenerie in ein orangenes Licht.
Fabian greift in eine Packung Lebkuchenherzen.
„Wessen Chef nach sechs Runden am nächsten am Baum steht, hat gewonnen“, erklärt Andre. Es weihnachtet bei den Warhammer-40.000-Spielern des Spieltraum e.V. Zur Feier des Tages wurden aus dem Internet Sonderregeln herausgesucht, Teewasser aufgesetzt und Weihnachtsgebäck um das Spielfeld drapiert. Viel Platz ist dafür allerdings nicht. Warhammer 40.000 (kurz 40k) ist ein Table-Top-Spiel. Das bedeutet, dass meist erwachsene Männer sich mit kleinen Plastikfiguren auf großen Feldern, die oft ganze Esstische einnehmen, in kleinen Schlachten die Würfel heißwerfen. Das klingt zunächst sehr befremdlich, doch steckt hinter den Figuren und dem Regelwerk eine Detailtiefe, die auch Unbeteiligte leicht in das Warhammer-Universum ziehen lässt.

Es geht nicht nur um das Kämpfen und das Spielen. Es geht genauso um das Basteln, Bauen und Bemalen der Miniaturen, die mit viel Liebe zum Detail entworfen sind. Die Variante „40k“ ist die beliebteste und bekannteste des Spiels. Wie bei der Fantasy-Variante stehen dem begeisterten Spieler eine hohe Zahl an Rassen zur Verfügung, die jede ihren eigenen „Codex“ haben, in dem Eigenschaften und Fertigkeiten aufgelistet sind.
Ein Spieler spezialisiert sich meist auf einige wenige Rassen, wie Orks oder Dämonen, oft aus Gefallen an der Geschichte oder dem Design.
Aber was sind das für Menschen, die sich regelmäßig zum Basteln, Malen und Spielen mit Fantasy- und Science-Fiction-Figuren treffen? Sofort tauchen Bilder von blassen Nerds und soziophobischen Kellerkindern im Kopf auf, doch weit gefehlt: Warhammer ist längst in allen sozialen Schichten angekommen. So wie bei Andre. Er ist als Kreditanalyst bei einer Bank angestellt, sieht völlig normal aus und spricht zwischen Angriffs- und Rettungswürfen mit den anderen über Politik, Wirtschaftskrise und Kreditgeschäfte. Er hat auch schon ganz andere Gestalten am Spieltisch gesehen.
„Es gibt keine Ausnahmen, aber es sind vor allem Leute mit Zeit. Da sind die Studenten, Schüler und Arbeitssuchende, aber wir hatten auch schon einen Bundesbanker bei uns in der Runde. Aber natürlichen findet man bei uns auch die Nerds.“
Mit Nerds meint er die Turnierspieler, die sich alle möglichen Listen erlaubter Rassen, Waffen und Gegenständen besorgen, genau wissen, auf welchem Turnier welche Rasse besser gespielt werden kann und sämtliche Regeln im Schlaf herunterbeten können. Das Spielen mit denen mache nicht immer Spaß. Turniernazis, ähm, -lamer werden sie auch genannt, da ihnen die korrekte Auslegung der Regeln oft wichtiger sei, als der Spaß am Spiel.
„Die Fluff-Spieler sind die Hintergrundspieler. Ihnen kommt es mehr auf die Details und eben den Hintergrund einer Rasse an.“ Wenn dann ein Fluff-Spieler auf einen Turnierlamer trifft, seien auch schon mal Würfel geflogen, aber generell werde der gegenseitige Respekt schon hochgehalten. Den meisten gehe es ja nicht ums Gewinnen, sondern darum, seine mit viel Mühe bemalten Figuren im Einsatz zu haben.
Verurteilt worden sei er wegen seines außergewöhnlichen Hobbys noch nie, aber auf der Arbeit oder bei neuen Bekanntschaften würde er nicht gleich als erstes damit herausrücken.
Letzte Runde. Andre und Fabian liefern sich ein Würfelduell um den Christbaum. Andre unterliegt. „Sieg!“, jubelt Fabian und Andre pflückt seinen Chef vom Plastikhügel.
Großes Geräume und Geschiebe, denn gleich startet die nächste Runde, mit anderen Figuren auf einem anderen Feld. Nur der Baum blinkt weiter in der Tischmitte. Frohes Weih-hammer!

Und jetzt die endgültige Version mit veränderten Namen
Zitat
Das fahle Licht der Neonröhren beleuchtet fünf hochkonzentrierte Gesichter, die auf ein zwei Quadratmeter großes Spielfeld starren. Es riecht nach Lebkuchen und Schokolade, Spekulatius, Tee und Stollen. Auf dem Feld ist eine karge Landschaft aufgebaut und auf dem Hügel in der Tischmitte steht ein zwölf Zentimeter großer, orange blinkender Plastikweihnachtsbaum. Miniaturen der seltsamsten Wesen verteilen sich auf dem Rest des Feldes. Orks, Spacemarines und sogar der Lebkuchenmann ist da.
Es weihnachtet bei den Warhammer-40.000-Spielern des Spieltraum e.V. Aus diesem Anlass wurden aus dem Internet Sonderregeln herausgesucht, Teewasser aufgesetzt und Weihnachtsgebäck um das Spielfeld drapiert. Viel Platz ist dafür allerdings nicht.
„Jetzt mach schon“, murrt Thomas, ein Mann mittleren Alters, glattrasiert in schlichter schwarzer Kleidung.
„Wer den Weihnachtsmann in der zweiten Runde tötet, hat nichts zu meckern, nur noch Tee zu machen“, gluckst Marcus. Unter einem Piratenkopftuch lugen kurze blonde Haare hervor und er trägt einen dünnen Vollbart. Wenn er sich über den Tisch beugt, streifen einzelne sehr lange Barthaare die Köpfe einiger Figuren. Sein Gesicht wird vom blassen Schein eines Laptops erhellt. Von irgendwoher klingeln leise Glöckchen. Niemand reagiert darauf. Der vollbärtige Sören mit langen, krausen Haaren entscheidet sich. „Ich greife den Lebkuchenmann an“, sagt er, zückt mit geübter Hand ein Zollmaßband und misst den Abstand. Dann nimmt er zehn Würfel in die Hand und lässt sie über das Gelände rollen.
„Yes“, freut er sich. Er hat nicht nur genug Treffer, sondern den Lebkuchenmann geradezu pulverisiert. Marcus beugt sich über den Tisch und greift nach dem Lebkuchenmann. Es klingelt wieder weihnachtlich. An seinem Handgelenk glänzt ein Lederarmband mit sechs kleine Glöckchen.
„Das ist nicht nur für Weihnachten“, murmelt Thomas, „das trägt der immer.“ Er rollt mit den Augen und verkneift sich ein Grinsen.
Für Sören wäre der Weg zum Weihnachtsbaum nun frei, wenn, ja wenn Bernhard nicht an der Reihe gewesen wäre. Auch er, 43, Logistiker und Vorsitzender des Vereins, hat ein eigenes Maßband, misst verschiedene Abstände, überlegt und schiebt seine ganze Horde von dreizehn Orks schließlich auf die Spacemarines zu.
„Wessen Chef nach sechs Runden am nächsten am Baum steht, hat gewonnen“, erklärt Thomas.
Er ist Kreditanalyst bei einer bekannten Bank und gerne und regelmäßig bei den Warhammer-Treffen im Haus der Jugend des Stadtjugendrings. Er schaut gelassen auf das Spielfeld. Dort findet gerade eine erbitterte Schlacht zwischen den verbliebenen sechs Spacemarines von Sören und Bernhards Horde grüner Orks statt.
Gegenüber auf der anderen Seite des Tisches knistert das Kekspapier und es entbrennt eine Diskussion über „Seelenbrand“, „Meteorhammer“ und den „Apokalyptischen Megablast“, der „2-f plus Verwundung“ macht.
Marcus, der Mann mit dem Kopftuch, hält einige Würfel in der Hand und überlegt. Während er sie schüttelt, erklingen die Glöckchen. Er spielt die Weihnachtsdämonen, die da wären: Candyman, der Spielmann, der Lebkuchenmann und der Weihnachtsmann. Er ist groß und hager und wacht mit Argusaugen über das Spielfeld. Dieses Weihnachtsspecial hat er organisiert und so hat er alle Hände voll zu tun. Spezialregeln nachschlagen, die Runden zählen, Sonderregeln erklären. Und den Weihnachtsbaum zu verteidigen ist auch seine Aufgabe. Doch mit jeder Runde rückt das Spiel weiter in den Hintergrund, die Nebengespräche werden häufiger. Es ist eben auch ein Gesellschaftsspiel.
Letzte Runde. Thomas und Sören liefern sich ein Würfelduell um den Christbaum. Thomas unterliegt. „Sieg!“, jubelt Sören und Thomas pflückt seinen Chef vom Plastikhügel. Doch wirklich zu interessieren scheint ihn die Niederlage nicht.
„Es geht nicht ums Gewinnen, sondern ums Spielen“, sagt er.
Großes Geräume und Geschiebe geht los. Gleich startet das nächste Spiel, mit anderen Figuren auf einem anderen Feld. Nur der Baum blinkt weiter in der Tischmitte. Frohes Weih-hammern!

Ich finde die Texte nicht schlecht, aber vielleicht liegt es auch daran, dass ich weis worum es geht.
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Fiuxus

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Re: Minireportage
« Antwort #1 am: Dezember 30, 2013, 03:09:26 Nachmittag »
Ich finde sie suuuuper cool :D

Ehle

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Re: Minireportage
« Antwort #2 am: Dezember 30, 2013, 07:37:46 Nachmittag »
Ich fand irgendwie doch den ersten Text besser. Dort wird ja eher erklärt was da überhaupt gespielt wird. So versteht der Leser vielleicht eher worum es an sich überhaupt geht.

Hatte das irgendwie im zweiten Text vermisst.

Naja aber sonst gut geschrieben.

Jannek

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Re: Minireportage
« Antwort #3 am: Dezember 30, 2013, 09:22:46 Nachmittag »
Geeeiiiiieeeelllll, über die geänderten Namen kann ich mich wieder ewig lustig machen. Das wird ein Spaß =D

PS: Streich Nummer 1 ist schon gespielt...
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Käpt´n Raffzahn

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Re: Minireportage
« Antwort #4 am: Dezember 31, 2013, 10:36:01 Vormittag »
Die Namen sind teilweise schon lustig, vorallem hatte ich einen Freund, der auch Marcus hieß :D

Und die erste Version findet sie auch besser. Aber sie musste den zweiten nehem, da der erste ein "Bericht" ist und keine Reportage. Den Unterschied bemerken warscheinlich nur Journalisten.
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Re: Minireportage
« Antwort #5 am: Dezember 31, 2013, 01:42:46 Nachmittag »
jo, sind sehr gut geworden!
Tau-Massebeschleunigertechnologie-der Hammer auf dem Gefechtsfeld !

"And yet you don't tell us your source, just that you heard something. I heard something today too. Its not warhammer related though, its just my wife telling me to get off the computer, but I still heard something."